Light it up.
Ein Wochenende am Bodensee, mein erstes offizielles Meeting als IRO 2026/2027 und die Erkenntnis, was möglich ist, wenn Menschen länderübergreifend an einem Strang ziehen.
Kurz vor halb fünf morgens. Berlin schläft nie, ich üblicherweise zu dieser Uhrzeit schon. Aber an diesem Freitag saß ich im Zug Richtung Flughafen und war guter Dinge, bis vor ihm ein Zug liegenblieb und meiner umgeleitet wurde. Es gibt Menschen, die mich für meine Pufferplanung sanft verlachen: Ich reise grundsätzlich so, dass ich im Zweifel noch einmal nach Hause fahren, zurückkommen und trotzdem rechtzeitig am Gate sein kann. An diesem Morgen war ich froh darüber. Der ÖPNV war mir nicht gewogen, der Puffer schnell aufgebraucht. Aber irgendwann saß ich im Flieger nach Zürich.
Von Zürich weiter mit dem Zug nach Konstanz, erste kurze Treffen zum Kaffee am See mit einigen Ladies, ein erstes Ankommen an einem wunderschönen Ort, den ich noch nicht kannte. Ich war im Homehosting bei einem Konstanzer Tabler und seiner Freundin, die mich aufnahmen, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Er selbst konnte nicht dabei sein, der 30. Geburtstag seiner Schwester hatte an diesem Wochenende Vorrang und doch fand er Zeit, mich vom Bahnhof abzuholen. Müde wie ich war, hätte ich nicht dankbarer sein können.
Und dann, am Abend, Get-Together auf einer kleinen, aber feinen Burg direkt am Bodensee. Das Motto lautete Napoleon, und manche Gäste hatten ihre Kostüme mit einer Ernsthaftigkeit ausgewählt, die ich beeindruckend fand. Rüschen, Uniformen, Empire-Silhouetten, alles da. Mein Handgepäckkoffer hatte für ausladende Roben keinen Platz, sodass es bei mir weniger pompös ausfiel. Entsprechend unwohl habe ich mich vor meiner Ankunft mit meiner Klamottenwahl gefühlt. Aber dann stand ich auf dieser Burg, mit Menschen, die ich zum Teil gerade erst kennengelernt hatte, und das Kostüm war vergessen. Was blieb, war das Gefühl, angekommen zu sein.
Was entsteht, wenn Herzblut auf Struktur trifft
Der Samstag gehörte der Delegiertenversammlung in der Bodenseearena. Mein erstes offizielles Meeting als International Relations Officer für den LCD, und ich war neugierig, vielleicht auch ein bisschen aufgeregt, auf das, was mich erwartete. Was ich vorfand, hat mich beeindruckt, nicht weil es mich überrascht hätte, sondern weil es mich immer wieder darin bestätigt, dass wir als Initiative auf dem richtigen Weg sind.
Ein weltweites Netzwerk wie der Ladies' Circle, das in der Freizeit betrieben wird, das auf Werten statt auf Geschäftsmodellen basiert und das nicht dem eigenen Vorankommen dient, sondern anderen, funktioniert nämlich nur dann wirklich, wenn es sich als professionell aufgestellte Organisation begreift. Das klingt nach einer Banalität, ist aber in der Praxis alles andere als selbstverständlich. Ehrenamtliche Strukturen neigen dazu, an ihrem eigenen Idealismus zu scheitern: zu viel Begeisterung, zu wenig Rahmen. Was ich an diesem Samstag erlebt habe, war das Gegenteil davon.
Jennifer Zanotta hat das Zepter für das neue Amtsjahr mit einer absoluten Klarheit übernommen. Mit einer Vision, mit Zielen, Zeitplänen und den darunterliegenden Fragen: Wie wollen wir dieses Jahr gestalten, damit am Ende sogar noch mehr steht als das, was wir uns vorgenommen haben? In einem gemeinsamen Workshop haben wir Ideen gesammelt, Konzepte ausgearbeitet und über Themen gesprochen, die sonst gerne in Einzelgesprächen versickern: Serviceprojekte, internationaler Austausch, Marketing, Communityarbeit. Was dabei entstand, war kein Maßnahmenplan, sondern eine gemeinsame Haltung. Die Schweizer Ladies haben sich dieses Jahr das Motto "Light it up" gegeben und an diesem Wochenende bereits damit angefangen.
Eine Gala und was sie bedeutet
Am Abend dann die Gala, wieder in der Bodenseearena, mit feierlicher Kettenübergabe an die neuen Amtsträger:innen und all den Momenten, die solche Abende zu mehr machen als einer Ansammlung an Programmpunkten: die Gespräche am Rande, die Begegnungen mit Menschen, die man noch nicht kannte und am Ende des Abends schon vermisst, das Gefühl, Teil von etwas zu sein, das größer ist als man selbst.
Auf dem Weg in meine Homehosting-Unterkunft, habe ich noch kurz bei der Gartenparty der Schwester meines Gastgebers vorbeigeschaut und wurde herzlich aufgenommen, obwohl mich dort niemand kannte. Dieser Moment beschreibt etwas, das sich durch das ganze Wochenende zog: dass Menschen in diesem Netzwerk Räume für andere schaffen, ganz selbstverständlich.
Das Farewell-Frühstück am Sonntagmorgen war kurz aber herzlich, wie solche Abschiede eben sind. Dann ging es mit dem Zug nach Zürich zum Flughafen und nach Berlin. Ich komme aus diesem Wochenende nicht nur mit einem Notizbuch voller Aufgaben und Ideen zurück, sondern mit dem schönen Gefühl, am richtigen Ort, mit den richtigen Menschen unterwegs zu sein, die Ideen in Taten umsetzen und sich gegenseitig inspirieren und motivieren.
Im Oktober wird in Nyon ein neuer Ladies' Circle gechartet. Eine Gelegenheit, den Faden weiterzuspinnen, den Schweizer Ladies beim weiteren Ausbau ihres Netzwerks zur Seite zu stehen und zu sehen, was aus den Ideen dieses Wochenendes gewachsen ist.
Sehen wir uns dort?
YiF, Vicky
vom LC5 Berlin und aktuelle IRO 2026/2027